Dienstag, 29. November 2016

Gitarre 0000, Boden und Zargen

Beginn der Realisierung - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.



Schon lange liegen die roh vorbereiteten Bretter für Zargen und Boden meiner ersten Gitarre im Solobau in der Werkstatt. Mittlerweile ist einiges an weiterem Holz dazugekommen. Die Vorbereitung für den Solobau und die Vorrichtungen haben viel Zeit benötigt. Diesen Aufwand hatte ich zu Anfang nicht vermutet. Als ich mich aber für diesen Weg entschieden hatte, gab es kein Weg mehr zurück. Ein Weg mit einigen Hindernissen.

Von einem solchen Hinderniss berichte ich heute:
 

Mit großem Elan und einer gewissen Vorfreude habe ich die Ahornbretter für den Boden und die Zargen hervorgeholt. Die abschließende Vorbereitung und Bearbeitung steht an. Die Bretter sind schon länger gehobelt und warteten auf die finale Bearbeitung. Die Ausrisse beim Riegelahorn werden mit Schleifplatten geglättet. Dann mit dem 80iger Hobel die widerspenstigen Stellen bearbeitet und mit der Ziehklinge die Vor- und Rückseite komplett abgezogen.

Ich beginne mit den beiden Schleifplatte. Zwei unterschiedliche Körnungen sind aufgebracht. Eine staubige Angelegenheit, aber ich komme gut voran. Der Luftfilter leistet einmal wieder gute Arbeit und ich komme ohne Maske aus.

Dann wird die gesamte Fläche mit frisch hergerichteten Ziehklingen beidseitig abgezogen.

Die letzten Stellen im Riegelahorn, die ausrissgefährdet sind, werden mit dem frisch geschärften 80iger wieder vorsichtig bearbeitet.
Da kommt schon eine Menge Späne zusammen. Als Maßstab habe ich die Schieblehre auf 10mm eingestellt.
Und das ist das erste Teilergebnis. Der Boden, bestehend aus zwei Hälften, hat die gleiche Stärke und einige Zehntel Übermass, die bei der weiteren Bearbeitung noch benötigt werden und dabei abgetragen werden.
Und das wird die Form des Bodens. Der muß nun noch gefügt werden und wird dann verleimt.
Für die Zargen bringe ich neue doppelseitige Klebebänder auf. Diese halten die Bretter während  der Bearbeitung ohne verrutschen auf der Platte.
 Die Zargen werden der gleichen Prozedur unterzogen.
 Die Stärke ist in Ordnung.
Und dann kommt die große Ernüchterung. 
Dreimal abgeschnitten und immer noch zu kurz. 
Für meine Gitarre benötige ich Zargenlängen im Rohbau von ca. 90cm Länge, die im Endmaß nach Plan dann ca. 80cm haben werden. Meine fertig bearbeiteten Zargen haben aber weniger, 78,4cm. 
Meine zuerst geplante Gitarre sollte im Korpus kleiner werden. Dann habe ich mich umentschieden und dabei ist mir dieser fatale Fehler unterlaufen. Es war mal wieder an der Zeit, dass ich Rumpelstilzchen Konkurrenz machte. Schimpfend und fluchend konnte ich mich nur noch mit einer großen Tasse Tee etwas beruhigen. Auch muss ich einige Teile in der Werkstatt wieder an ihren angestammten Platz räumen.
Nutzt alles nichts, ich muss wieder ran. Ein rohes Brett 12mm Stärke muss mit meiner Rahmensäge wieder quer/längs auf zweimal 5mm starke Bretter aufgetrennt werden. Dann wieder aushobeln. Vorsichtig, denn Riegelahorn ist sensibel und neigt zu Ausrissen. Das werde ich aber nicht direkt in Angriff nehmen. Morgen ist auch noch ein Tag.
Denn ich habe ja auch noch den Boden. Der muss mir erst einmal mit der Fügearbeit und der Verleimung bei der Senkung meines Adrenalins helfen.






 

Montag, 21. November 2016

Gitarre, der 1. Versuch, eine Zarge mit dem eigenen Biegeeisen zu formen

Nutzung der eigenen Ausstattung.



Immer wieder zeigt es sich, dass die besten Lösungen aus den Situationen kommen, die sich auf meine eigen Kreativität stützen können. Schon länger habe ich das Biegeeisen für Kleinigkeiten im Einsatz. An die Zargen habe ich mich noch nicht herangewagt, da mit dem Foxbender meine Nussbaumzargen beim Piloten schnell erledigt wurden. Nun aber setze ich mich mit dem Biegeeisen im Rahmen des Solobaus auseinander. Die richtige Wässerung, die richtige Temperatur und die richtige Handhabung wird nicht im Fachbuch beschrieben. Diese muss ich mir selber erarbeiten. Für meinen derzeitigen Gitarrenbau habe ich Riegelahorn in Bearbeitung. Nach dem Zuschnitt für die Zarge sind Reststücke angefallen, die ich nun als Probestücke in Form bringe. Oberen Bug, Taille und unteren Bug möchte ich formen. 

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Ablauf vom 1. Versuch:


Die benötigten Ausgangsmaterialien sind Holz, Biegeeisen und Sprühwasser.
Mit dem gut vortemperierten Biegeeisen wird das gerade Holzbrettchen als Muster zu einer Gitarrenzarge geformt.
Mit viel Fingerspitzengefühl wird das Holz an dem Biegeeisen in die Rundungen gebogen.
Eine Tätigkeit, die mir viel Respekt verursacht, da ich zwar viel gelesen habe, aber nun ohne Netz und doppelten Boden die ersten Gehversuche unternehme.
Eine gute halbe Stunde habe ich nun getüfftelt und das ist das Ergebnis. Es hat sich gelohnt. Da es sich um ein kürzeres Probestück gehandelt hat, ist keine komplette Zarge entstanden, aber ein Muster, welches mich schon stolz sein lässt.
An einer Vorrichtung angelegt, zeigt sich dass es die passende Form angenommen hat. Ein tolles Gefühl, wenn man sich vorher nicht sicher gewesen ist, ob es klappt.
Die Form inclu. der Riegelung ist gut geworden und lässt mich zuversichlich an die eigentlichen Zargen denken.

Im rechten Winkel passt die Form auf der gesamten Länge. Nun freue ich mich auf die eigentlichen Zargen für meinen Solobau, die als nächstes anstehen. Riegelahorn auch als Boden. Es funktioniert und eine gewisse Anspannung entsteht. Jetzt soll´s sein!

   


Mittwoch, 16. November 2016

Vorrichtung, das Himmelbett - Fertigstellung

Die kompakte Einheit.



Nachdem der Rohbau ausgiebig getestet wurde, ist die Endfassung fertig. Die Gewindestangen sind eingekürzt worden. Die Stabilität wurde durch Alurohr erhöht. Die gesamte Konstruktion erhielt noch einige nützliche Verfeinerungen. Die Spannstäbe sind modifiziert worden und hinterlassen keine Abdrücke auf Balken und Zargen. Der neue stationäre Bearbeitungsplatz ist hergerichtet und die Einheit wurde beweglich gemacht.

Die einzelnen Schritte im Bild:



Das Himmelbett steht auf dem Kopf, da in die Decke eine Lederplatte für die Aufnahme der Spannhölzer eingeklebt wurde.

Die Spannhölzer sind bearbeitet und haben eine Aussparung erhalten.
In diese wird eine Ledereinlage geklebt.
 Die Überstände werden bearbeitet.
So wird der Druck auf den Balken übertragen, aber das Holz ist vor Druckstellen geschützt.
Eine größere Anzahl Spannstäbe ist fertig.
Dieses Bild zeigt eine weitere Optimierung der Einheit. Auf dem oberen Brett, das der zukünftige Boden ist, habe ich auf einer weiteren Platte Rollen montiert, damit die Einheit auch fahrbar wird. Diese Platte kann bei Bedarf entnommen werden.
Das Himmelbett bekommt einen Platz während dem Einsatz auf der Kreissäge. Dazu ist aus Resthölzern eine Konstruktion entstanden, auf die das Himmelbett gestellt wird. Eine angenehme Arbeitshöhe ist damit verbunden.
Nun steht die Konstruktion an Ort und Stelle.
Deutlich ist die Lederplatte im oberen Bereich zu sehen.
Die Funktion. Unten eine Form, dann entweder die Decke oder der Boden. Darauf einer der Balken, der mit den Spannhölzern gehalten wird und so aufgeleimt wird.
Der Balken wird gehalten und kann nicht verrutschen.
Oben werden die Hölzer im Leder eingedrückt festgehalten.
Platz ist in der kleinsten Hütte. Wieder ein Platz optimiert, der vorher nur zugestellt wurde.
Die Grundplatte mit den Rollen ist an den Ecken ausgeklinkt. So passt sie zwischen die Füße des Himmelbetts. Der blaue Punkt zeigt die richtige Seitenzuordnung an.
Nun habe ich die Einheit auf den Boden gehoben. Das ganze wurde fahrbar.

Mit einem Teil der diversen Bauvorrichtungen kann ich diese auch mal vor die Türe schieben und habe wieder Platz für andere Bearbeitungen. 

Die Handhabung der unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkt wie Möbelbau, Werkzeugherstellung und der Gitarrenbau fordert immer wieder eine Felixibilität, deren Erreichung für mich eine große Herausforderung darstellt. Meine Räumlichkeiten konnten naturgemäß nicht mitwachsen, aber durch eine optimale Nutzung kann ich alle Bereiche abdecken.

Wie gut das man das Rad entdeckt hat. Ohne Verfahreinrichtungen wäre ich in der Werkstatt richtig aufgeschmissen.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Vorrichtung, das Himmelbett

Eine notwendige Bauform.


Mit dieser Vorrichtung erhält die Gitarre die gewünschte Form für Decke und Boden. Es ist eine Spannvorrichtung. Die Decken- und Bodenplatte des Himmelbetts muss erhebliche Spannkräfte aufnehmen und sind daher sehr stabil ausgeführt. Die Spannhölzer werden zwischen die beiden Platten eingebracht und halten die Konstruktionshölzer auf den entsprechenden Bauteilen. Hier ist nur die Grundplatte zu sehen ohne die Hölzer. Die abschließenden Feinarbeiten müssen noch gemacht werden und stehen als nächste Arbeit an.

Das ist der Abschluss der Arbeitswoche:

Die Decke und der Boden kann Zargen und Balken bekommen.
Auf die Form werden die Bauteile mit den eingeleimten Konstruktionshölzern verspannt und trocknen dort aus.
Hier sieht man die Vorgehensweise. Gebogene Hölzer bauen den Druck auf.
Diese werden gegen die Decke gespannt.
Die Biegung baut die Spannung auf.
Und das sind die nächsten Schritte, die Decke erhält die Rosette und die Unterkonstruktion.
Der Boden wird aus zwei Teilen verleimt, ausgesägt und mit den Balken versehen.

Montag, 17. Oktober 2016

Traurige Nachricht


Ein Idol meiner Jugend bis heute und darüber hinaus!


Heute habe ich erfahren, dass Werner Lämmerhirt am Freitag, den 14.Oktober 2016 friedlich eingeschlafen ist.  

Es macht mich traurig. 

Ich habe diesen Mann immer bewundert und seine Musik, aber besonders seine Art des Gitarrenspiels mit großem Genuss gehört. Seine Musik und die dazugehörenden Texte brachten mich so häufig an andere Betrachtungspunkte. Er begleitete mich mit seinen Liedern und ich bin dankbar ihn auch in Konzerten erlebt zu haben. Er hat auch ein kleinwenig dazu beigetragen, dass ich mich heute mit der Gitarre beschäftige und die Musik für mich so wichtig geworden ist. 

Ich werde mich oft an ihn erinnern und wünsche ihm eine friedvolle Ruhe.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Vorrichtungen, Solera Feintuning

Die letzten Vorbereitungen an der Solera.



Nun soll der Bau der Gitarre mit der Decke weitergehen. Dazu bekommt die Solera als Arbeitsgundlage noch einige Nacharbeiten. Die Halslage wird geplant und geformt, die Deckenwölbung wird nachgearbeitet. Dazu habe ich mir eine Schleifhilfe gebaut, mit der ich auf 45 cm eine plane und genau geschliffene Fläche erziele. Für die Decke mit der Wölbung setze ich einen geformten Schleifklotz ein.

Und das sind die Arbeiten:

Die ersten Materialstärken nehme ich mit dem Hobel ab.
Das Haarlineal wird für die Genauigkeitsüberprüfung angelegt.
Mit meiner Schleifhilfe, Marke Eigenbau, wird die Länge bearbeitet, da hier zukünftig der Hals seine Auflage für den Einbau erhält.
Das Material wird gleichmäßig abgetragen.
In der Verlängerung sieht man den entsprechenden Winkel.
Ein simple Technik, die sich bewährt hat.
Die Querfläche ist OK.
Auf der Länge ist auch keine Abweichung.
Schlußabnahme für den Hals - erledigt.
Die Deckenwölbung wird mit dem profilierten Maßbalken geprüft.

Geringfügige Nacharbeiten mit dem Schleifklotz der auch die Deckenwölbung hat und dann ist auch diese Arbeit fertig.